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    Vignolage à Muraz - Fonds Treize Etoiles
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    Fifres et tambours à Visperterminen - Fonds Treize Etoiles
  • 1942
    1967

Pfeifer und Tambouren im Wallis

Die musikalische Tradition der Pfeifer und Trommler ist im Wallis, und vor allem im Oberwallis noch sehr lebendig: in dieser Region bestehen die meisten Vereine. Diese Musik mit ihrem Rhythmus und ihrer Melodie gehörte ursprünglich in die Tradition der Militärmusik und stammt aus einer Zeit mit vielen kriegerischen Auseinandersetzungen, die das Ende des Mittelalters bestimmten.
In der Schweiz werden die Tambouren zuerst im Zusammenhang mit der Schlacht von Dornbühl erwähnt, wo im Jahre 1298 die Stadt Bern den noch zu Habsburg gehörenden Freiburgern gegenüberstand. Wichtig im militärischen Zusammenhang werden die Tambouren in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts. Bis dahin hatten einzelne Personen die Pfeifen und Trommeln gespielt, während sie sich nun mit anderen Musikern zusammenfanden und ein wichtiger Bestandteil des Bundesheeres wurden. In den folgenden Jahrhunderten ließen sich viele Walliser als Söldner in fremden Heeren verpflichten. Dort lernten sie ihre Instrumente und gaben die Kenntnisse bei der Rückkehr in ihre Dörfer weiter. Ab Mitte des 19. Jahrhundert nahmen die Musiker aktiv an den verschiedenen religiösen und gesellschaftlichen Anlässen teil (Fronleichnam, Nationalfeiertag, Schützenfeste (fêtes des vieilles cibles), und bei der gemeinsamen Arbeit an den Weinreben, der vignolage“). Bei den gespielten Stücken handelt es sich um Märsche (L'Appel au Drapeau, Marche des Dames au Château, Marche de Parade, Diane française...), Tänze (die berühmte Grande Chaîne, La Rousse, Polka-Valse...) oder Lieder (Trois jeunes capitaines revenant de guerre, La Magali...). In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstanden überall im Wallis die ersten Vereine.
Heute existieren im Wallis viele verschiedene Arten von Pfeifen nebeneinander. Im 18. und 19. Jahrhundert trugen die Oberwalliser Söldner bei der Rückkehr in ihre Dörfer ihre Uniformen, die sie laut Vertrag behalten durften. Sie brachten auch anderes militärisches Material mit, jedoch keine Pfeifen oder Pikkoloflöten, da diese im Eigentum der verschiedenen militärischen Einheiten verblieben. Die Pfeife als Instrument unterlag nicht der gleichen militärischen Vereinheitlichung wie die Trommel, und die Instrumententypen sind daher ebenso vielfältig wie ihre Herkunft. Im Val d’Anniviers findet man die typischsten Instrumente, nämlich aus Holz in Saint-Luc und Saint-Jean, und aus Aluminium in allen andern Dörfern des Tals. Es handelt sich dabei um kleine, in C oder D gestimmte Querflöten mit sechs Grifflöchern, das heißt eine Oktave (bzw. None) höhergestimmt als die Querflöte des Orchesters. Im Oberwallis sind die Natwärischpfeifen die Erben einen jahrhundertealten Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Diese Instrumente entsprechen ziemlich genau den Querflöten der Renaissance. In anderen Bereichen des Kantons haben alle Vereine diese Instrumente durch Orchester-Pikkoloflöten ersetzt. Im Wallis war der erste Hersteller im Jahre 1918 Oswald Albrecht aus Eyholz, dem Karl Berchtold aus Visp und dann ab 1975 Karl Wyssen aus Mund folgten.
Bei den Trommeln besteht ein ähnlicher Unterschied, da im Val d’Anniviers nur die Dörfer Saint-Luc und Ayer die Ordonanz-Militärtrommel benutzen, während in allen andern Vereinen die Basler-Trommel verwendet wird. Beim Instrumentenbau war einer der ersten bekannten Hersteller der Genfer Pierre Binet im Jahr 1624. Ab 1851 wurde die Ordonanztrommel der Schweizer Arme e standardisiert, wodurch sie sich schnell im ganzen Land verbreitete. Im Laufe der Jahre folgten dann Entwicklungen und Verbesserungen.
Die Trommeln wurden zunächst ausschließlich im militärischen Rahmen eingesetzt, und viele musikalisch stärker strukturierte Stücke wurden über die Jahrhunderte mündlich weitergegeben.
Vor der Entstehung der Vereine spielten bekannte Musiker mit den Pfeifen alte Märsche (Marche de Sébastopol, Napolitaines...), historischen Zapfenstreiche oder verschiedene Tänze. Bis 1925 wurde für die musikalische Notierung dieser Instrumente eine Schrift benutzt, die den mittelalterlichen Neumen ähnelte. Zu jener Zeit führte dann der Basler Fritz Berger die bis heute übliche Schreibweise ein, die auch eine starke Erweiterung des Repertoires ermöglichte. Bei den Pfeifen fand eine parallele Entwicklung statt, und sehr viele heute noch gespielte Melodien stammen aus der Tradition. Viele der Melodien wurden um 1930 im Val d’Anniviers von Hanns In Der Gand zusammengetragen und niedergeschrieben. Andere hingegen gehören bis heute der mündlichen Tradition an.
Die Kostüme der Vereine verweisen in einem gewissen Sinne auf die traditionellen Trachten der Gegend, wie Hosen und Mäntel aus weißer oder beigefarbener Wolle. Andere Vereine bevorzugen Reproduktionen militärischer Uniformen, oft aus der napoleonischen Zeit.

LERNEN UND WEITERGABE

Auch wenn der Brauch vor Jahrhunderten aus dem Ausland übernommen wurde, stellt das Spielen von Trommeln und Pfeifen zu den am stärksten verankerten musikalischen Traditionen des Wallis. Die Tradition wurde auf ziemlich regelmäßige Weise bis in die heutige Zeit weitergegeben; dennoch stellen die Ablenkungen und der Wertezerfall in der heutigen Welt, die Einebnung der Werte und das Vergessen des wahren kulturellen Erbes ernste Gefahren dar, die zum Verschwinden dieser alten Kunst führen könnten. Die Niederschrift des Wissens dient nicht nur dazu, diese Gefahr abzuwehren, sondern würde es auch ermöglichen, eine umfassende Bestandsaufnahme der Aufführungspraktiken und der Musik zu erstellen. Es könnte eine gründliche wissenschaftliche Forschungsarbeit erfolgen, um die Handwerker und Musiker, die die Eckpfeiler dieser Kunst darstellen, zu fördern und eine Dynamik zu entwickeln, die bei jungen Menschen ein neues Interesse weckt.

GEMEINSCHAFT

Das Musizieren mit Pfeifen und Trommeln ist im Wallis, und dabei vor allem im Oberwallis sehr lebendig. Der Schweizerische Tambouren und Pfeifer Verband (STV) umfasst 185 Vereine mit 4.500 Pfeifern, Trommlern und Clairons, die Association des tambours et fifres du Valais romand besteht aus 12 Vereinen, und der Oberwalliser Tambouren- und Pfeiferverband aus 26 Vereinen mit 1.100 Mitgliedern. Die Vereine werden jeweils von Vorständen geführt, die sich um die Organisation und die finanziellen Belange kümmern. Daneben gibt es eine technische Kommission, die sich um die die Organisation der Wettbewerbe, der regelmäßig stattfindenden Feste und um Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene kümmert. Die technische Kommission des Oberwalliser Tambouren- und Pfeiferverbands organisiert zahlreiche Aktivitäten. Neben den oben genannten Aufgaben bietet sie eine spezielle Vorbereitung für den Eintritt in die Militär-Tambouren an und dient als Verbindung zur Armeemusik; sie bietet Besuche bei den Vereinen an, sammelt Kompositionen für die Natwärischpfeife mit den Partituren, und arbeitet bei der musikalischen Ausbildung eng mit der Allgemeinen Musikschule Oberwallis zusammen. Die ersten Vereine im Oberwallis waren 1903 diejenigen von Stalden und Visperterminen, 1904 kamen Staldenried und 1908 Eggerberg dazu. Im Mittelwallis gründete 1933 Saint Luc den ersten Verein, auch wenn eine erste Tambourengruppe, Le Réveil, bereits im November 1930 in Savièse entstanden war. Es folgten 1944 die Tambours et Fifres Sierrois. Alle anderen Vereine im französischen Kantonsteil wurden zwischen 1950 und 1980 gegründet. Die erste kantonale Walliser Vereinigung für Tambouren und Pfeifer war die 1930 entstandene Association Cantonale des Tambours et Fifres. Im Mai 1931 wurde das erste kantonale Treffen in Visp organisiert, an der Vereine aus Siders (Collines de Sierre), Val d’Anniviers, Savièse, Ausserberg, Eggerberg, Eisten, Embd, Raron, Rhone (Eyholz, Lalden, Baltschieder), Stalden, Staldenried, Törbel, Visperterminen und Visp mit insgesamt mehr als 300 Tambouren und Pfeifern teilnahmen. Verschiedene Vereine aus dem Oberwallis nahmen regelmäßig an Veranstaltungen im französischen Kantonsteil teil (Sion, Siders, Savièse). Erst im Jahre 1969 entstand dann die Association des Tambours, Fifres et Clairons du Valais Romand (ATFCVR).

Weitere Informationen

Internet-seiten

Autor der Karteikarte

SVIZZERA Cantone Vallese - Médiathèque Valais - Martigny - Geraldine Roels

Wissenschaftlicher Leiter

Gérard Dayer, Louis Salamin

Veröffentlichungsdatum

21-LUG-2015 (Geraldine Roels)

Letzte Aktualisierung

27-FEB-2020 (Agostina Lavagnino)

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